Donnerstag, 6. August 2015

Vom Jura- Studium in die Krankenpflege

Man stelle sich folgendes Szenario vor:

"Du bist 24. Was hast du denn so vorher gemacht?"
- "Ich habe Jura studiert."
"Oha! Und wie lang"
- "Ja, so 8 Semester, aber..."
"Was?! 8 Semester?! Und dann schmeißt du hin?"

So, oder so ähnlich, fingen in dem letzten halben Jahr öfters mal Gespräche an. Sei es mit Familie (nein, die haben natürlich dann nicht nach meinem Alter gefragt), Freunden/Bekannten oder in den Vorstellungsgesprächen.

Eines möchte ich gern vorweg nehmen, bevor ich ausführlicher werde:

Ich habe nicht geschmissen! 
So habe und werde ich es nie sehen! Aber ich fange von vorn an...

Nach meinem Abitur wollte ich eigentlich immer einen sozialen Beruf ergreifen, wusste jedoch nicht recht, wo ich hin soll. Dazu noch das große Dilemma " Jetz´haste Abi, sollteste doch eigentlich auch lieber studieren...".
Wer sich ein bisschen mit den Hochschulen und den Zugangsvoraussetzungen auskennt, dem brauche ich nicht erzählen, wie schwer es ist, in Pädagogik etc hinein zu kommen. Für alle anderen: Hat man keine EINS  vorm Komma, wirds schon schwer...  

Nun gut, was kann man also noch studieren...wo man mit Menschen arbeiten kann....diesen helfen kann....Lehrer ist auch nicht so deins...aber warte mal! Da gibts doch die Menschen, in den Roben, die anderen Menschen helfen, Recht zu bekommen. Das ist es! Jura!
So oder so ähnlich, war mein Gedankengang mit naiven 20 Jahren ( falls sich da jetzt jemand wieder erkennt: wenn du so denkst, hast du im Jura Studium nichts verloren!)

Von Semester zu Semester wurde mir dann aber klar, dass ich 1. eine falsche Vorstellung hatte, und 2. mich nicht mehr wirklich in dem Beruf arbeiten sehen habe.
Nun gut, nun beendet man ja nicht gleich ein Studium, sondern hofft, dass es besser wird (bspw durch die Praktika, ...) Die Praktika bestärkten mich allerdings nur noch mehr, dass es nicht meine BERUFUNG ist, Jurist zu werden.
Deshalb kam ich nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss, mein Studium zu beenden.

Warum habe ich nun nicht "geschmissen"?

1. Geschmissen ist für mich negativ behaftet. Ich habe nicht 4 Jahre zuhause auf der Couch vertrödelt, sondern etwas für´s Leben gelernt. Ich kann Widersprüche, Anschreiben, etc ohne viel Überlegung verfassen, und bin oft noch Anlaufpunkt für kleinere juristischer Fragen von meinem Mitmenschen.

2. Habe ich das Studium freiwillig beendet und musste mich nicht durch evtl Nicht- Bestehen von Prüfungen exmatrikulieren.

3. Finde ich persönlich, dass es Mut bedarf, auch nach 4 Jahren sich und der Umgebung (damit meine ich vorallem meine Familie), dass man sich in der Berufswahl vertan hat und einen Neustart wagt.


Auch nach 8 Semestern war es für mich  nicht zu spät, meinen Berufswunsch nochmal sorgfältig zu überdenken und dann zu ändern.  Ich bin Mitte 20 und im gleichen Jahr fertig, wie meine Kommilitonin (zum Volljuristen gehören zwei Staatsexamen, dazu wiederrum nach dem 1. Staatsexamen zwei Jahre unterbezahlter Vorbereitungsdienst,...aber das führt jetzt zu weit.)

Nun fange ich endlich im sozialen Bereich an, wie ich eigentlich schon nach dem Abi vor hatte. Und seitdem ich mich exmatrikuliert und meinen Ausbildungsvertrag unterschrieben habe, bin ich ein wirklich glücklicherer Mensch!

Ich würde sagen, ich habe alles richtig gemacht :)

1 Kommentar:

  1. Ich stehe vor derselben Entscheidung, bin erst im dritten Semester. Bereust du deine Entscheidung mittlerweile manchmal oder bist du noch so glücklich wie am Anfang?

    AntwortenLöschen